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Schwedische Rezepte für jeden Geschmack!

16.09.2014

1. Das Fisch-Protokoll

Was ist rund und stinkt nach Fisch? Richtig – Surströmming. Wobei stinken deutlich untertrieben ist: Der Geruch des Herings ist derart beißend, dass er aus seiner runden Konservendose nur außerhalb des Hauses befreit werden darf. Das, nun ja, einzigartige Aroma hat seine Ursache in der Art der Konservierung: Surströmming wird aus fettarmem Ostseehering an der norrländischen Küste in Nordschweden hergestellt. Der Fisch wird im Mai gefangen, geköpft und gärt anschließend über einige Monate in Salzlake. Während dieses Gärprozesses entsteht das sehr spezielle Aroma, das diesen Fisch zur Delikatesse macht. Dass der Fisch etwa im August bereit zum Verzehr ist, erkennt man daran, dass sich seine Dose aufgrund der Gasbildung oben und unten nach außen wölbt. Meine erste Erfahrung mit Surströmming machte ich im Hinterhof einer Jugendherberge in Göteborg.

Im Grunde isst man also faulen Fisch. Dass die Dose nur im Freien und idealerweise mit Handschuhen geöffnet werden darf, hat seine Gründe: Zum einen besteht Explosionsgefahr, weil die Dose stark unter Druck steht, zum anderen entweicht bereits beim Anstechen der intensiv faulige Gestank. Wer den Geruch einmal an den Fingern oder gar an der Kleidung hat, wird ihn so schnell nicht wieder los, wie ich zu meinem Leidwesen feststellen musste. Weniger Mutige können die Dose unter Wasser öffnen. Doch wie wird der Fisch nun zubereitet? Traditionell wird Surströmming auf einem Stück Baguette oder einem Knäckebrot gegessen. Die wichtigste Komponente dabei ist die Crème fraîche. Sie mildert den sehr würzigen Geschmack des Fisches etwas ab. Zusammen mit Kartoffeln ist das Ganze nach einer kurzen Gewöhnungsphase eine wahre Delikatesse. Nachdem ich den Geruch ausblendete, der beim Öffnen der Dose alle Umstehenden kurz benebelte, schmeckte der Fisch zunächst normal salzig. Im Nachgang breitete sich allerdings doch der faulige Geschmack im Mund aus. Dagegen empfehle ich die zwei letzten Bestandteile dieses schwedischen Rezepts: Erst ein Schluck kalte Milch und dann – das wichtigste: Ein Schnaps. Nach der Aktion im Freien bei -15 Grad im November wurde mir dann auch wieder ein wenig wärmer.

surstroemming_essen_kein_problem_fuer_schweden5418349d96617Surströmming – volles Aroma aus der Dose (Bild: Aboh24 / Wikimedia)

2. Schwedisch mit Aussicht auf Hackbällchen

Wer kennt sie nicht vom einen oder anderen IKEA-Besuch – die schwedischen Hackbällchen namens Köttbullar. Manch einer besucht das Möbelhaus sogar nur für den Genuss der schwedischen Spezialität. Während es die Fleischbällchen dort meist mit Pommes Frites und Rahmsauce gibt, habe ich sie einmal anders zubereitet und Kötbullar im Ofen gegart.

Schwedisch essen mal anders – Köttbullar mit Champignonrahmsauce aus dem Ofen

Und das geht so: Zunächst werden aus 400 g Hackfleisch mit Paprika, Salz und Pfeffer kleine Bällchen geformt, die dann in Semmelbröseln gewendet werden. Der Ofen wird mit 200°C vorgeheizt. Die Hackbällchen werden dann im Ofen in einem Bräter mit heißem Öl 10 Minuten lang angebraten. Anschließend Champignons hinzugeben und weitere 6 Minuten braten lassen. Zum Schluss fertige Rahmsauce hinzugeben und noch einmal 8 Minuten garen lassen. Nach Wunsch noch einmal würzen und genießen!

koettbullar_selbst_machen_lecker_ikeaKöttbullar, wie man sie kennt – ein schöner Grund, um zu IKEA zu gehen (Bild: Steffen Wurzel / Wikimedia)

3. Die Bullar-Affäre

Als ich mich mit 17 in meinen ersten Schulaustausch begab, war mir vorher nicht klar, dass ich dort die Liebe meines Lebens treffen würde: schwedische Kanelbullar. In Deutschland nennt man das zarte Gebäck auch liebevoll Zimtschnecken. Ich nenne sie kurzum einfach nur Bullar. 

Einmal Bullar – immer Bullar

Seit unserer ersten Begegnung wurde mein Herz mit Leidenschaft und einem nicht zuvor erahnten Verlangen heimgesucht. Kaum angekommen im schwedischen Luleå, wurde mir klar, dass die Dämmerung in den Wintermonaten hier schon um 14 Uhr beginnt. Gleichzeitig wurde mir dieses Bewusstsein mit einer Schüssel selbstgemachter Bullar versüßt. Fortan konnte ich mir nicht mehr vorstellen, auch nur einen Tag auf dieses Gebäck verzichten zu können. 

kanelsnegle_rezept_bei_den_ikea_moebel_pimpernKanelbullar in ihrer vollen Pracht (Bild: cyclonebill / hochgeladen von palnatoke auf Wikimedia)

Nachdem die erste Ration an Bullar größtenteils von mir verputzt wurde, sollte es Zeit werden für meine ersten selbstgemachten Zimtschnecken. Und weil es in Schweden zeitig dunkel wird sah ich Backen als spätnachmittagliche Freizeitgestaltung als patente Alternativbeschäftigung. Ich will es euch nicht länger vorenthalten – hier kommt das geheime Kanelbullar-Rezept meiner schwedischen Austauschfamilie:

Grundteig

150 g Butter | 500 ml Milch | 50 g frische Hefe | 150 g Zucker | 1 TL Salz | 1 TL Kardamom | 900 g Mehl | 1 Päckchen Vanillezucker

Füllung

100 g Butter | 200 g Zucker | 2 EL Zimt

Bestreichen und Garnieren

2 Ei | Hagelzucker

Zunächst wird der Hefeteig vorbereitet: Das Mehl, Zucker und die Prise Salz vermengen. In einem Topf 70 Gramm Butter schmelzen lassen, Milch hinzufügen und die Hefe darin auflösen. Im Anschluss wird die Mehlmischung hinzugegeben und verknetet. Den Teig mit einem Tuch abdecken und in Ruhe gehen lassen (ca. 30-45Minuten).

Den Rest der Butter in einem Topf schmelzen.

Ist der Teig aufgegangen, wird er in drei Teile geteilt. Unter und auf dem Teig genügend Mehl ausrollen. Der dünn ausgerollte Teig wird dann mit der geschmolzenen Butter bestrichen. Zucker und Zimt großzügig auf dem Teig verteilen, den gesamten Teig einrollen und in daumendicke Streifen schneiden.

Die Kringel auf einem Backblech mit Backpapier verteilen. Die Bullar mit dem verquirlten Ei bepinseln und Hagelzucker oben drüber. 

Bei 180 Grad ca. 20-30 Minuten backen. Aufpassen, dass die Bullar nicht zu lange backen, da sie sonst trocken werden. Übrigens: Die Zimtschnecken sind das ideale Add-on für ein typisches schwedisches Frühstück!

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